Montag, 24. September 2018

Was aus Vogelfutter so alles wächst...

Habt ihr euch einmal überlegt, welche Sämereien alle so in Vogelfutter enthalten sind? Wenn ich jeweils die Inhaltsangaben lese, kenne ich einiges, manches ist mir unbekannt, aber viele Gedanken habe ich mir darüber früher nicht gemacht. Wichtig ist mir viel eher, dass das Vogelfutter eine gute Qualität hat, möglichst vielen Vögeln nützt und sie gut nährt.


Dieses Jahr sind mir jedoch so viele Pflanzen aus dem von den Vögeln verschütteten Vogelfutter gewachsen, wie noch nie... Hier oder dort einmal eine Sonnenblume gab es ja schon, aber nun habe ich manches Mal gestaunt und einiges dazugelernt!


Angefangen hat es im Frühling mit einer Gerstenähre und einer Rapspflanze, welche einträchtig nebeneinander wuchsen. Von der Gerste habe ich ein Körnchen probiert, als sie reif war (ich finde es immer cool, wenn unerwartet etwas essbares wächst, da kann ich nicht widerstehen..). Beides wurde später nach dem Abreifen von Vögeln oder anderen Tieren gefressen - vielleicht sind aber einige Körner auch in die Erde gekullert und treiben nächstes Jahr wieder aus?


Auch die Pflanze, welche ich am meisten unterschätzt hatte, fing früh an, zu wachsen... Wo sie zwischen den Terrassensteinen hervorkam, zupfte ich sie aus, in einzelnen Blumentöpfen und am Wiesenrand liess ich die unauffällige, feine Pflanze mit den kleinen, blauen Blümchen sein.


Dass diese Pflanze Lein ist, dessen Leinsamen ich schlussendlich im August ernten und essen konnte (also ein paar davon...), habe ich mehr per Zufall herausgefunden. Hier habe ich euch schon ausführlich darüber berichtet - eine sehr interessante Pflanze!


Immer wieder wuchs auch eine Kohl-Art, sowohl am Wiesenrand, wie auch aus Töpfen, welche in der Nähe standen. Leider weiss ich nicht, um welche Art es sich handelt, und auch das Foto ist nicht überragend - irgendwie erschien mir der Kohl wohl zu uninteressant?


Dabei wurde und wird er geliebt von den Raupen der Weisslinge, welche die Pflanzen immer wieder wegfressen. So viele der weissen Schmetterlinge wie dieses Jahr habe ich noch nie gesehen und mich sehr an ihnen gefreut!


Die Sonnenblumen hatte ich ja schon zum Anfang erwähnt. Irgendwie ist es mir noch nie gelungen, Sonnenblumen gezielt anzuziehen und an einem gewünschten Ort hinzusetzen. Nur "Vogelfutter-Sonnenblumen" wachsen bei mir mal hier, mal da.


Je nach Art der Samen sind die Sonnenblumen aus dem Vogelfutter ganz unterschiedlich: etwas grösser oder ganz klein - und auch die Blüten sind verschieden. Ich mag sie alle!


Eine Pflanze mit Sonnenblumen-ähnlichen (aber viel kleineren) Blüten, welche in den "Vogelfutter-Töpfen" wuchs, gab mir schon letztes Jahr viel zu rätseln. Mit Hilfe lieber mit-Bloggerinnen fand ich heraus, dass es sich wohl um eine grosse, staudige Mädchnaugen-Art handelt. Ob sie tatsächlich durch das Vogelfutter versamt wurde, weiss ich nicht. Auf jeden Fall tauchte sie auch dieses Jahr in den Töpfen auf, welche unter dem Futterhäuschen gestanden waren. Die Pflanze ist nicht nur dekorativ bis in den Herbst hinein, sondern auch beliebt bei den Insekten.


Zum ersten Mal (was mich etwas erstaunt, denn Hanf-Sämchen sind wohl in ziemlich jeder Futter-Mischung vorhanden) ist mir dieses Jahr aus Vogelfutter eine Hanf-Pflanze gewachsen. Was leider oft etwas in Vergessenheit gerät ist, dass Hanf (wie auch der Lein) eine alte Nutzpflanze ist, welche vielfältig verwendet werden kann: zum Beispiel für Öl (aus der Saat), als gesunde Knabberei und Nahrungsergänzung (ebenfalls die Sämchen), sowie als Rohstoff für Fasern - welche zu Seilen, als Baustoff, aber auch zu Textilien verarbeitet werden können.


Zusätzlich sind (wohl ebenfalls aus dem Vogelfutter) einige Pflanzen gewachsen, welche mir bisher unbekannt sind: Sie tragen unterschiedliche, aber zumeist irgendwie Gras-ähnliche Rispen und auch Blätter, welche an kräftiges Gras oder Getreide-Arten erinnern. Vielleicht kennt jemand von euch diese Pflanzen?


Wie ist das bei euch, lasst ihr solche "Trouvaillen" - zum Beispiel eben aus dem Vogelfutter, aber vielleicht auch Pflanzen, welche sonst versamt sind - im Garten stehen und schaut, was daraus wird?

Selbst bin ich meist viel zu neugierig (und auch zu mitleidig), um unbekannte und ungeplante Pflänzchen auszureissen. Genau diese Pflanzen haben mir diesen Sommer sehr bereichert und mir einige "Aha-Erlebnisse" bescherrt, allen voran der Lein!

Nun schaut euch gerne nochmals die Collage ganz am Anfang an... auch wenn es zumeist nicht die auffälligsten Pflanzen oder Blüten sind - ist das nicht toll?

Liebe Garten-Grüsse
Miuh

P.S. Gerne zeige ich meine Vogelfutter-Überraschungen auch beim Sonntagsglück, bem Gartenglück, beim Freutag und beim Natur-Donnerstag



Sonntag, 19. August 2018

Glückliche, entspannte Garten-Tage im August

Im August genoss ich nochmals gut zwei Wochen Ferien. Im Gegensatz zum Juni, als wir Süd- und Mittelschweden bereisten (HIER meine ersten Eindrücke, Tipps und Empfehlungen zu Schweden und HIER mein Besuch in Dalarna bei den Dala-Pferdchen) wollten wir dieses Mal daheim bleiben.


Ich liebe unseren kleinen, gemütlichen, naturnahen Garten und das Wetter im August war nicht nur heiss, sondern auch fast jeden Tag sonnig und schön, da musste ich wirklich nicht woanders hin :-)
Wie es schien, mögen auch die Vögel unseren Garten... sie finden sich jeden Tag zahlreich ein und ich mag es sehr, ihnen zuzuschauen.


Es gab auch viel zu giessen: Tomaten, Chillis, Zucchini, Gurken und Blumen waren durstig. Und nicht zuletzt gab es auch eigenes Gemüse zu ernten und zu geniessen. Noch sonnenwarme, aromatische Berner Rosen - Tomaten direkt auf den Teller - herrlich!


Rüebliraupen, Schmetterlingspuppen, sowie später Schwalbenschwanz-Schmetterlinge (HIER mehr dazu) leben weiterhin Generation nach Generation bei mir. Sie forderten ihre Nahrung, ein sauberes Gehege und nach dem Schlüpfen und fertig entfalten so schnell wie möglich die Freiheit!


Kleinere Arbeiten, welche teilweise schon längere Zeit liegen geblieben waren, konnten auch endlich erledigt werden. Ich habe die verblühten Rosen geschnitten...


... ups! Einmal mehr habe ich irrtümlich auch einen noch recht schönen Rosenzweig abgeschnitten. Wie immer in solchen Fällen kommen die Rosen in eine Vase und können uns so noch tagelang erfreuen.


Gerade für einzelne Zweige oder Blüten mag ich kleinere oder grössere Glasflaschen. Wenn mir jeweils eine schöne in die Finger kommt, wasche ich sie gut aus und nehme sie mit in meine Vasen-Sammlung auf.


Es blieb aber auch genügend Zeit für Musse und das Blättern in den mitgebrachten Schwedischen Zeitschriften. So konnte ich auch noch etwas länger in Schwedischen Häuschen, Landschaften und Dekorations-Ideen schwelgen.


Erinnert ihr euch noch an die Geranien, welche ich Anfang Mai gepflanzt und euch Anfang Juni (hier) gezeigt hatte? Sie haben sich wunderbar entwickelt und hängen mittlerweile noch tiefer als auf dem Foto unten bis übers Fenster hinab. Wir bekommen dafür ständig Komplimente von unseren Nachbarn und von Besuchern...


Etwas Sorge haben uns die Geranien dennoch gemacht: Sie sind so schön und üppig gewachsen, dass sie seit Juni drei mal vornübergekippt und über 2.5 Meter in die Tiefe auf den kleinen Sitzplatz gefallen sind, zum Teil auf die darunter stehenden Chilli- und Tomatenpflanzen... Zum Glück ist nie etwas schlimmeres passiert und wir konnten die leicht lädierten Geranien jeweils wieder einpflanzen. Nun haben wir endlich aus den Erfahrungen gelernt und Stützen montiert, so dass die Geranien sicher oben bleiben.

Und so sieht unterdessen der Blick aus unserer Küche, eingerahmt von Geranien-Blüten aus:


An einigen Stellen wächst sogar das Grün-Blumige von oben mit dem Grün-Tomatigen von unten zusammen. Natürlich nehmen die Pflanzen etwas Helligkeit weg, aber hier auf der Südseite haben wir noch immer genügend Licht. Das Dschungel-Artige gefällt mir auf jeden Fall gut - und ich geniesse diesen Ausblick sehr.


Während der Ferien sind wir natürlich nicht immer nur zu Hause und im Garten gesessen. Ich hatte mir vorgenommen, Tagesausflüge in der Schweiz zu unternehmen...


Unser Land ist so schön und es gibt so Vieles, was ich als Schweizerin selbst noch nicht kenne und noch nicht entdeckt habe.

Unter Anderem haben wir folgendes gesehen:
- Wandern im schönen Murgtal
- Viamala Rheinschlucht - eine willkommene Abkühlung im heissen Sommer
- Das Ballenberg Freilichtmuseum mit vielen schönen, alten Häusern
- Den Lauerzersee, einmal nicht nur von der Autobahn aus
- Den Eichhörnchenweg in Arosa auch einmal im Sommer

Schade, dass die Ferien nun vorbei sind! Ich hätte noch so viele Ideen und Vorhaben gehabt, sowohl für den Garten, als auch für Ausflüge.
Kennt ihr das auch, wenn die schöne Zeit nur so vorbeifliegt und am Schluss noch so viel mehr zu tun wäre...?

Liebe Grüsse, Miuh

P.S. gerne zeige ich die glücklichen, entspannten Gartentage im August auch beim Friday Flowerday, beim Freutag und beim Gartenglück.

Samstag, 18. August 2018

Leinsamen im eigenen Garten!

Leinsamen liebe ich - ob pur, im Müesli, auf Knäckebrot oder über ein Joghurt gestreut... und Leinsamen sind gesund. Woher Leinsamen genau kommen und wie sie wachsen, habe ich mir aber nie wirklich überlegt - bis ich bemerkte, dass Lein in meinem Garten wächst und ich sogar einige eigene Leinsamen ernten konnte:


Dabei ist Lein, der auch Flachs genannt wird, eine alte Kulturpflanze. Früheste Funde im Iran, in der Türkei und in Syrien sind auf 7500 - 6000 v. Chr. datiert, in Mitteleuropa tauchte er etwa um 5700 - 4100 v. Chr. auf. Mehr dazu findet ihr auf Wikipedia.

Verwendet werden kann die Pflanze auf zwei Arten: für Leinsamen (Saatlein / Öllein), aus welchem unter anderm Öl gewonnen wird und Faserlein, aus welchem Leinen-Stoffe hergestellt werden können. Eine kleine Wunderpflanze also! Und wie kam sie nun in meinen Garten?


Wie so vieles, was momentan bei uns im Garten wächst, stammt unser Lein wohl aus dem Vogelfutter.


Die Pflanze sieht sehr unauffällig aus: ein feiner Stängel mit einzelnen kleinen Blättchen und ein zartes, hellblaues Blümchen, welches später zu einer kleinen, grünen Kugel wird. Deshalb war ich lange gar nicht darauf aufmerksam geworden. Die meisten Pflänzchen vertrockneten bald wieder, oder wurden ausgerissen.


Einige wenige gingen jedoch in einem grossen Topf auf, den ich später auf die Südseite an die Sonne stellte - und das war ihr Glück!


Die grünen Samenkapseln reiften, vertrockneten und wurden braun. Da ich gerade viel im Garten herumstreife und überall wo es geht Saatgut abnehme, wurde ich nun darauf aufmerksam! Was da wohl drin ist?


Ich erntete einige der Kapseln, um sie zu öffnen...


... und staunte nicht schlecht! Was ich da aus den vertrockneten Köpfchen dieser Pflanze schälte, sah aus wie Leinsamen! Im Internet suchte ich nach der Pflanze und auch dort schien sich meine Vermutung zu bestätigen.


Selbstversuch macht klug, dachte ich mir und probierte mutig eines der Sämchen - und tatsächlich: es schmeckt nach Leinsamen, mmh!


Die Ausbeute von einem Stängel mit drei Samenkapseln ist nicht gross, aber meine Freude über eine eigene, ganz kleine Leinsamen-Ernte ist dafür riesig!


In der Zwischenzeit war ich auch zu Besuch im Freiluftmuseum Ballenberg. Dort stehen wunderschöne originale, alte Häuser aus verschiedenen Regionen der Schweiz und auch altes Handwerk wird gezeigt. Mehr darüber schreibe ich bald noch in meinem Geheimtippreisen-Blog.


Da war er wieder, der Lein / Flachs! Hier war Faserlein angebaut worden, der nun zum trocknen ausgelegt und später unter dem Dach eines alten Emmentaler Bauernhauses aufgehängt wurde.


Aus diesen Stängeln können anschliessend durch aufwändige Verfahren Fasern gewonnen werden, welche man zu Leinen-Stoff verarbeiten kann.


Faserlein bevorzugt gemässigtes, feuchtes Klima und ist deshalb eher typisch für die Schweiz. Öllein / Saatlein bevorzugt hingegen heisses, trockenes Klima - klar haben sich die Pflanzen dieses Jahr mit dem Rekord-Sommer bei uns wohlgefühlt und konnten aus ein paar verlorenen Vogelfutter-Kernen ohne Pflege gedeihen und wieder reife Leinsamen hervorbringen.


Habt ihr auch schon Lein angebaut, oder etwas Anderes, eher unerwartetes, vielleicht sogar essbares im Garten gefunden? Auf eure Erfahrungen und Erlebnisse bin ich gespannt!

Habt ihr meinen Blog schon abonniert? Auch darüber würde ich mich natürlich sehr freuen.

Liebe Grüsse, Miuh

P.S. gerne zeige ich die Lein-Pflanzen aus dem eigenen Garten auch beim Freutag und beim Gartenglück.

Sonntag, 29. Juli 2018

Dala-⁠Pferdchen: meine neuen, Schwedischen Deko-⁠Stars

„Ach, was machen immer alle so ein Aufhebens um ihre Dala-Pferdchen?“ … dachte ich früher manchmal. Ja, sie sind hübsch! Aber was macht diese kleinen Holzpferde so besonders?


Und wie kommt es dazu, dass ich nun selbst auch zwei Dalarna-Pferdchen zu Hause habe, ein klassisch rotes und ein etwas kleineres, dazu passendes in weiss?


Hier die Geschichte dazu:

Im Juni war ich zwei Wochen lang in Schweden auf Reisen. Dort, in der Region Dalarna (hier) konnte ich selbst zuschauen, wie die Dalapferde grob ausgesägt, dann geschnitzt und später bemalt wurden – in vielen Schritten, praktisch alle in Handarbeit. (hier mehr dazu) Da steckt so viel Zeit und Liebe drin… und irgendwie spürt man das, finde ich.


Habt ihr gewusst, dass Dala-Pferde so gar nicht uniform alle gleich aussehen, sondern je nach Schnitzer eine eigene, charakteristische Form haben? Hier arbeiten etwa 50 Schnitzer zumeist in Heimarbeit an den Pferdchen und kreieren aus dem vorgesägten, noch etwas eckigen Pferd (links) kleine Unikate.


Nachdem ich all die Arbeit und Liebe sah, die in einem solchen Dalapferdchen steckt, war ich gerne bereit, im Shop nebenan auch den nicht ganz günstigen Preis dafür zu bezahlen. Nun gehöre ich also auch zu denjenigen, die ihre Dalapferdchen und die damit verbundenen Erinnerungen lieben und pflegen…


Im „Souvenir-Shop“ gab es übrigens auch wunderschöne Stoffe am Meter, Küchentücher und andere Textile Produkte mit Dalapferd-Sujets darauf, sowie schöne Holzarbeiten und natürliche Seifen mit Pflanzenölen und Kräutern. – Also nicht nur „das Übliche“ an Ferien-Souvenirs. Leider (oder zum Glück?) hat mich die Gepäcks-Gewichtsbegrenzung auf meinem Flug davon abgehalten, meterweise Stoff zu kaufen. Nur einige Küchentücher durften noch mit.


Wie ist das bei euch? Habt ihr auch ein Dalapferd oder ein anderes liebgewonnenes Souvenir (ob aus Schweden oder von woanders) zu Hause?

Mehr über die Herstellung der Dalapferdchen findet ihr hier:
Mein Besuch in Dalarna, der Heimat der Dala-Pferdchen inklusive Werkstatt-Besichtigung

Liebe Grüsse, Miuh

Samstag, 28. Juli 2018

Mondfinsternis und Blutmond am 27.07.2018

Schon seit Monaten hatte ich für den Abend des 27. Juli gross "Mondfinsternis" in meine Agenda eingetragen, denn die Astronomie, spezielle Himmelspähnomene und Ereignisse faszinieren mich sehr. Zeitweise überlegte ich sogar, spontan einen Flug zu buchen, falls das Wetter hier nicht gut sein sollte, oder wenigstens mit dem Zug in die Südschweiz zu fahren, wäre eine Möglichkeit gewesen.
Gerne zeige ich die Mondfinsternis auch beim Sonntagsglück.


Zum Glück war das alles nicht nötig, denn das Wetter in der Region um Zürich war prächtig, klar und warm, wie mit wenigen Ausnahmen schon seit Wochen.
Sobald wir Abends nach Hause kamen, gingen wir auf die Suche nach dem perfekten Platz, um später den verdunkelten Mond zu beobachten und zu fotografieren.
Ein leicht erhöhtes, schon abgeerntetes Getreidefeld in der Nähe schien perfekt - hier wollten wir uns nachher auf den Stroh-Stopeln mit Decken und etwas zu knabbern gemütlich einrichten.


Gut vorbereitet war ich nicht, denn wie so oft gab es so viel Anderes zu erledigen und vor allem die Arbeit verbrauchte diese Woche viel Zeit und Energie. So ging es noch kurz in den Keller, das Stativ suchen, welches doch da irgendwo sein musste... und bei einem kurzen, gemütlichen Znacht im Garten probierte ich noch schnell die verschiedenen Einstellungen der Kamera (ja ja, ich weiss, die Technik sollte ich schon lange im Griff haben...)  und machte ein paar Probefotos.

Es würden meine ersten Nachtaufnahmen dieser Art werden. Indem ich bei den Mond-Fotos die wichtigsten technischen / EXIF Daten dazuschreibe, lasse ich euch gerne an meinen Experimenten etwas teilhaben. Fotografiert habe ich mit der geliebten Panasonic Lumix DMC-FZ1000 - Eine Kamera mit lichtstarkem und Zoom-freudigem Wechselobjektiv wäre natürlich besser gewesen...


Sobald wir aus der Richtung "unseres" Beobachtungsplatzes jede Menge Stimmen und Kindergeschrei hörten, wurde uns bewusst, dass wir wohl nicht alleine sein würden... und als ich den Mond noch hinter dem Horizont vermutete, hörte ich schon erste "schau der Mond!" - Rufe. Höchste Zeit, loszugehen!

Bereits auf einem kleinen Feldweg probierte ich einige Einstellungen mit verschiedenen Fokuspunkten. Die Dämmerung war noch recht hell, und der schon rötlich gefärbte Mond erst schwach zu sehen. Auf den Mond zu fokusieren erwies sich als recht schwierig und ich musste auf manuellen Fokus umstellen.

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 8 Sec. / Zeit: 21.51 und 21.52

Alleine waren wir dann an unserem Beobachtungs-Ort wirklich nicht, aber es gab genügend Platz für alle und wir richteten uns mit den Decken gemütlich im Stoppelfeld ein... immer wieder musste ich ans Lied "Ein Bett im Kornfeld" denken :-)
Einige Beobachter  gaben auch prima "Bildgestaltungs - Elemente" ab (der Mann ist wirklich still gestanden, man bedenke, ich habe 8 Sekunden lang belichtet!) und auch der Flieger, welcher durchs Bild flog, war mir recht. Seht ihr den Mond schon?

ISO 400 / Blende 3.5 / Belichtungszeit 8 Sec. / Zeit: 22.05

In der dunkelblauen Dämmerung hob sich der rötliche, nun im Vollschatten der Erde stehende Mond schön ab. Sogar einige Sterne hatte ich mit auf dem Foto. Der gestern ebenfalls auffällige Mars ist jedoch hier noch nicht auf dem Bild.

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 2.5 Sec / Zeit: 22.11

Mit der fortschreitenden Zeit schien die Nacht mittlerweile schwarz - und der Mond noch immer im Kernschatten orangefarben bis lachsrot... Die Maaximale Verfinsterung war für 22.21 Uhr angekündigt, als zwischen dem oberen und dem unteren Foto.

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 3.2 Sec / Zeit: 22.37

Nun kam (für unsere Position) auch der hell leuchtende Mars hinter dem Busch hervor, er folgte dem Mond leicht versetzt auf seiner Laufbahn.

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 2.0 Sec / Zeit: 22.42

Um 23.13 sollte die totale Mondfinsternis (Kernschatten) enden. Jetzt schon schien der Mond eher grau als rot und ich habe das Gefühl, links schon einen hellen Schimmer zu sehen...

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 1.3 Sec / Zeit: 23.12

Nun ging es schnell! Zwischen dem oberen und dem unteren Foto liegen nur fünf Minuten, aber links kehrt deutlich das Licht zurück, welches den Mond normalerweise strahlend hell-weiss erscheinen lässt. Die Farbverläufe mit dem blauen Band fand ich ebenfalls sehr spannend. Unterdessen waren wir übrigens längst die einzigen auf dem Feld und es war da draussen auch schon deutlich kühler geworden.

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 0.4 Sec / Zeit: 23.17


Interessant finde ich auch, wie verhältnismässig stark innerhalb der letzten vier Bilder die Belichtungszeit abgenommen hat. Kein Wunder, auch die Licht-Ecke wächst schnell... als würde man dem Mond innerhalb von einer Stunde bei der Entwicklung vom Leermond zum Vollmond zuschauen.

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 0.5 Sec / Zeit: 23.24

Eine sehr kürzere Belichtungszeit lässt die rechte, verdunkelte Seite des Mondes fast ganz verschwinden, während dafür die Strukturen der linken Ecke wieder sichtbar werden...

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 1/100 Sec / Zeit: 23.27

In der Zwischenzeit ist es recht kühl geworden... Zum Glück sind wir nicht weit von zu Hause entefernt! Ich laufe schnell heim, um wärmere Kleider und mehr Decken zu holen. Bevor ich losgehe, starte ich aber noch eine Langzeitaufnahme der Landschaft:

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 40.0 Sec / Zeit: 23.30

Und nach der Rückkehr etwa eine halbe Stunde später, als der Mond schon wieder wesentlich mehr Leuchtkraft hat, entstehen einige zusätzliche Landschaftsaufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten (alle kürzer, als beim vorherigen Bild, und dennoch scheinen die Fotos heller):

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 10.0, 20.0, 40.0 Sec / Zeit: 00.01, 00.02, 00.03

Das Spiel mit den unterschiedlichen Belichtungszeiten fasziniert mich zunehmend... ich bin beeindruckt vom hellen Licht des Mondes und von der starken Abdunkelung durch den Erdschatten in der noch vorhandenen Mondfinsternis-Ecke!

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 1/2000 und 1 Sec / Zeit: 00.10

Nun fehlt dem Mond noch eine kleine Ecke...

ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 1/3200 Sec / Zeit: 00.22

... bevor er wieder voll scheint.


ISO 400 / Blende 4.0 / Belichtungszeit 172000 Sec / Zeit: 00.43

Auch wenn die Fotos nicht perfekt wurden (das muss ich momentan den professionell ausgestatteten und ausgebildeten Fotografen überlassen), hatte ich sehr viel Spass, freue mich über die entstandenen Bilder und bin mutiger geworden, was die Nacht- und Astro-Fotografie angeht.

Bestimmt werde ich also wieder einmal nachts mit Fotoapparat und Stativ losziehen, mir spannende Motive suchen und mit den Belichtungszeiten experimentieren.

Einen schönen Beitrag mit Fotos der Mondfinsternis und vielen Tipps zur Vorbereitung findet ihr bei Cornelia / Silvertravellers

Liebe Grüsse, Miuh

P.S. Gerne zeige ich meine Mond-Fotos auch beim Projekt "Blick zum Himmel"