Donnerstag, 12. Februar 2015

Ein Abenteuer?

Mein Leben ist ja mit Mann, Katzen, Job und Haus ganz geordnet, man könnte auch sagen "normal", langweilig oder spiessig. Mir gefällt's! Trotzdem vergesse ich nie, was sonst noch so möglich wäre, wie man auch noch leben könnte... Ein Blog, den ich dafür gerne lese, wird von Florian geschrieben: www.flocutus.de. Er reist relativ günstig durch die ganze Welt und finanziert sein Leben und seine Reisen durch Fotos, Erfahrungsberichte, Affiliate Programme und als Freelancer.
Sein aktuelles Thema: "Dein Abenteuer ist nicht mein Abenteuer" spricht mich sehr an! Was ist ein Abenteuer? Kann man Abenteuer - Zum Beispiel auf Reisen - planen? Sofort habe ich mich an verschiedene Diskussionen zum Thema erinnert - und an ein für mich typisches Beispiel:

Vor über 16 Jahren waren wir Ende Oktober auf Gran Canaria in den Ferien. Eine Ferien-Insel mit Strand,  Sand-Dünen und Party... Ausschliesslich herumliegen und uns sonnen mochten wir dann doch nicht die ganze Woche, so mieteten wir ein kleines Auto, fuhren um die Insel und planten eine Wanderung. Die Playa de Güigüi im Westen war unser Ziel: ein einsamer Strand, der hinter einem Bergrücken lag. Die Wanderung dauerte gemäss Reiseführer hin und zurück etwa 5-6 Stunden. Da wir etwas lange geschlafen hatten, stellten wir das Auto dann doch erst um ca. 13 Uhr beim Einstieg in Tasartico ab und waren überzeugt, dass wir ja jung waren und die Wanderung auch in 2-3 Stunden schaffen würden! Auf dem Höchsten Punkt angekommen (Fotos oben) begegneten uns erste Rückkehrer und warnten uns, dass es noch sehr weit und anstrengend werden würde... Wir liessen uns natürlich nicht beirren:
Als wir nach einem sehr anstrengenden und teilweise steilen Abstieg über schmale Pfade schliesslich beim wunderschön einsamen Strand ankamen, realisierten wir, dass die Sonne schon bald untergehen würde und dass die Rückkehr im Dunkeln durch die Berge viel zu gefährlich wäre. Ups!
Wir wussten, dass die Playa de Güigüi (im Gegensatz zum Nachbarstrand "Chico") bei Flut nicht überschwemmt wird. So war der Entschluss schnell gefasst: wir werden wohl hier übernachten!
Wir hatten ein Sandwich, zwei Äpfel, noch eine halbe Flasche zu trinken, unsere kurzen Hosen und T-Shirts, sowie je ein Badetuch dabei - und ein Feuerzeug.
Sobald die Sonne tiefer stand, wurde es kalt! Wir zogen die Badetücher als "lange Röcke" an, was wenigstens ein bisschen wärmte. Eine etwas mystische, gruselige Stimmung entstand durch ein sehr süsses, anhängliches, schwarzes Kätzchen, das plötzlich auftauchte. Woher kommt in dieser Einsamkeit eine so gepflegte, kleine Katze? Wir lieben Katzen sehr, aber nun war auch mir die Situation etwas unheimlich!
Holz gab es keines zu sammeln, nur etwas trockenes Schilf konnten wir finden und aufschichten. Das kleine Feuer brannte natürlich nicht lange und wärmte auch nur wenig. So gab es bald nach Sonnenuntergang nichts anderes, als irgendwie schlafen zu gehen: Etwas windgeschütz in einem Steinkreis lag noch Karton (es schien ganz, als wären wir nicht die ersten "Übernachtungsgäste"). Auf den Karton legten wir ein Badetuch, darauf lag mein Mann, darüber ich, zugedeckt mit dem zweiten Badetuch und irgendwo zwischen uns kuschelte sich das kleine, schwarze Kätzchen  ein. (seht Ihr es auf dem Bild oben?. Es blieb unsere einzige, kleine Wärmequelle in dieser kalten Nacht...
Auch am nächsten Morgen war es noch immer brr-kalt, die wärmende Sonne hinter den Bergen war noch weit entfernt. Wir zogen wieder unsere "Badetuch-Röcke" an und machten uns an den steilen Aufstieg über die Fels-Treppen, durch den "Schilfwald" und immer weiter den Berg hoch. Überrascht standen wir nach einiger Zeit vor dem Einsiedler-Hüttchen einer freundlichen Frau, die uns Milch anbot. Die Hütte hatten wir auf dem Hinweg nicht gesehen, aber nun hatten wir auch eine (gar nicht mehr gruselige) Ahnung, woher das Kätzchen kam...
Sobald wir die Passhöhe erreicht hatten, brannte die Sonne wieder auf uns nieder. Wir teilten die letzten Schlucke aus unserer Flasche und stiegen ziemlich erschöpft auf der anderen Seite den Berg hinunter.
Wie froh waren wir, als die ganze Tour geschafft war! Bei der ersten Gelegenheit kippten wir völlig unvernünftig eiskalte Getränke in uns hinein und sofort war uns klar, dass wir (nun, als alles überstanden war...) ein wundervolles, kleines Abenteuer zusammen erlebt hatten!
Was ist nun also ein Abenteuer? Für mich persönlich entsteht ein Abenteuer durch eine überwundene gefährliche oder sonst sehr unbequeme Situation, bei der man teilweise nicht wusste, wie man wieder rauskommt. Ein Abenteuer ist kaum planbar... Offenheit, Bereitschaft etwas zu wagen, von den üblichen Pfaden abzuweichen und etwas durchzustehen hilft sicher! Und nach unserer damaligen Erfahrung kann ich auch sagen: ein bisschen Unbedarftheit oder Selbstüberschätzung hilft wohl manchmal auch ;-)

Nun bin ich gespannt auf weitere Abenteuer-Berichte bei Florian ... Liebe Grüsse, Miuh

P.S. ein schönes Video einer Wanderung zur Playa de Güigüi auf Gran Canaria findet Ihr HIER!
P.S.2 auch wenn dieses Video viele Jahre nach unserem Abenteuer entstanden ist, könnte ich wetten, dass ich die freundliche Einsiedlerin und ihren Pulli wiedererkannt habe...






Kommentare:

  1. Sehr schönes Abenteuer. Ich war rund 9 Jahre nach euch am Playa de Güigüi. Die Katze haben wir leider nicht gesehen und die Frau mit der Milch auch nicht ;)
    Danke für die Teilnahme an meiner Blogparade.

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  2. Tolle Sache und manchmal sehne ich mich ja auch nach sowas :)

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